Arbeiten an der Sodenform

Ketschermaschine im Moor

Ketschermaschine im Süderholmer Moor um 1950

Arbeiten mit der Ketschermaschine

Arbeiten an der Ketschermaschine

An derSodenform

Der Streicher an der Sodenform im Trockenfeld

Technik der Torfgewinnung

In der Schulchronik Süderholm ist im Jahr 1927 nachzulesen:

„Die Gewinnung des Torfes bildet für einen großen Teil unserer Bevölkerung die Haupteinnahmequelle. Etwa 40 - 50 Torfbacker beleben in der Zeit von Mai bis zur Ernte das Torfmoor. Eine große Menge Torf wird jährlich dem Erdboden entnommen. Man schätzt die Zahl der jährlich entnommenen Torfsoden auf rund 2 Millionen. Das gibt, wenn l.000 Soden mit 6 RM berechnet werden, eine jährliche Einnahme von 12.000 RM. Da setzte aber gerade zur Zeit der Torfgewinnung eine Regenperiode ein, die so viel Wasser brachte, dass es so hoch stieg, dass eine weitere Gewinnung des Torfes ausgeschlossen war. Die Arbeit mußte daher eingestellt werden. Der erste Torf konnte noch mit großer Mühe gewonnen werden, der andere ertrank im Wasser, da das ganze Moor einen See bildete. Selbst die Wege waren unter Wasser gesetzt. Für die Torfbacker war die Regenzeit ein harter Schlag, da ihnen der Verdienst aus der des Torfes verloren ging und sie in große finanzielle Not gerieten."

Die verschiedenen Möglichkeiten, den Torf zu gewinnen, beschrieb Frau Hanna Muus 1947 in ihrer Lehramts-Examensarbeit „Die Moore als heimische Landschaftsform - entwickelt an den Beispielen des Weißen Moores und des Süderholmer Moores in Norderdithmarschen."

Daraus ein teilweise abgeänderter Auszug: „Der Hauptwert des Moores liegt in seiner Eigenschaft als Torflieferant. So liefert auch das Süderholmer Moor einen sehr dunklen festen und schweren Torf von gutem Heizwert. 35 m³ Rohmoor liefern ca. 23 m³ Trockentorf, das sind rund 57 Zentner.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Torf zu gewinnen. Diese richten sich nach der Tieflage und Mächtigkeit des Torfes und nach seinem Feuchtigkeitsgehalt.

Da gibt es zunächst das „Rutsmieten". Es werden Gräben ausgehoben, aus denen die Torferde" rutsmeten", das heißt herausgeworfen wird. Diese Methode wird angewendet bei geringer Tiefe der Torfschicht. Bei sehr mächtigen Mooren würde nur ein geringer Teil des vorhandenen Torfes gefördert und genutzt werden können, da bald das aufsteigende Grundwasser das „Rutsmieten" unmöglich machen würde.

Eine andere „Tagebaumethode" ist das Torfabstechen. Hier wird die Torferde, die wesentlich trockener sein muß, mit einem Torfspaten gleich in Torfsodengröße von einer mehr oder weniger hohen Moorwand abgeteilt. Für diese Art von Torfgewinnung ist es im Süderholmer Moor zu naß. Auch die als erste angeführte Methode wurde nur in ganz wenigen Fällen im äußersten Norden des Moores angewandt.

Der gute, schwarze Torf sitzt tiefer, und deshalb wird hier fast ausschließlich die dritte in unserer Heimat übliche Methode - „das Torfbacken" - durchgeführt.

Die Bereitung des Backtorfes kann wiederum auf zwei Wegen durchgeführt werden. Einmal durch das „Ketschern" der Torferde und durch das maschinelle Ausheben des Torfes.

Torfgewinnung mit dem Handketscher

Wenn das Moor soweit abgetrocknet ist, dass es befahren werden kann, beginnt der Torfbauer seine Arbeit. Zunächst muß das Gras der Moorwiese gemäht werden, auf der der Torf bearbeitet und getrocknet werden soll. An der Stelle, an der die Torferde aus der Tiefe geholt werden soll, müssen die Grassoden abgetragen werden. Nun kann die Torferde ans Tageslicht gefördert werden, und das geschieht auf zwei verschiedene Arten.

Die eine Art ist das „Ketschern". Mit einem Ketscher, das ist eine 3-4 m lange Stange, an der unten ein Ketschernetz befestigt ist, und die mit einem Gurt um Leib und Schulter befestigt wird, wird die Erde von der Kante der Moorkuhle nach oben gerissen und zur Weiterbearbeitung auf einen Haufen geworfen. Dies ist eine sehr schwere und mühsame Arbeit.

Die Torfgewinnung mit dem Handketscher


Torfgewinnung durch Einsatz der sogenannten Ketschermaschine

Lohnender und kräftesparender ist die Gewinnung der Torferde mit einer Ketschermaschine. In einem ca. 5 m hohen quadratischen Förderschacht aus Metall, der unten durch eine Klappe verschließbar ist, wird der Torf durch Muskelkraft emporgewunden. Die Maschine ist auf dem Ufer auf einer Laufschiene bewegbar. Vom Wasser wird sie durch schwimmende Tonnen getragen. Der Torfbacker dreht mit einem Schwungrad über ein Zahnradgetriebe nun diesen Förderschacht am Rande der Moorkuhle in die unter der Wasseroberfläche lagernde Moorerde. Ist der Förderschacht soweit wie möglich herabgedreht, schließt der Torfbacker die Klappe und der mit Torfmasse gefüllte Schacht wird vom Torfbacker nach oben gedreht.

Die Ketschermaschine

Die Weiterverarbeitung des geketscherten als auch des maschinell geförderten Moorbodens ist nun die gleiche.

Entleeren der Transporttrommel

Er wird entweder von dem geketscherten Haufen in die Torfkarre geworfen oder mit einer Schaufel aus dem Förderschacht während des Hochdrehens gleich in die Torfkarre gefüllt. Dort wird dann die Torferde unter Zusatz von Moorwasser gründlich durchgearbeitet, denn in der Torfkarre befinden sich an der Achse der beiden Räder, die mitten durch den Kastenraum der hölzernen Torfkarre geht, mehrere Messer, die sich mit der Achse drehen, sobald von einem vorgespannten Pferd die Karre in Bewegung gesetzt wird. Von den Messern wird die Torferde durch Hin- und Herfahren des Karrens so lange durchgearbeitet, bis sie zu einem dicken Brei verrührt ist. Aus diesem Brei werden anschließend die Soden geformt. Die Holzform, in der 84 brikettgroße Torfsoden in 6 Reihen nebeneinander gebacken werden, wird auf die kurzgemähte Moorwiese gelegt, die Torfkarre wird über die Form gefahren und der Torfbrei über die Form ausgekippt und mit einem Streichbrett oder einer Schaufel fest in die Form hineingestrichen. Dann wird die Form abgehoben und zur Formung einer neuen Serie bereitgelegt.

Verteilen und Füllen des Trockenrahmens

Der Streicher (links im Bild) füllt mit einem breiten Holzschieber die bis zu 84 Fächer der Form. Mit einer Schaufel wird die Oberfläche der Soden glatt gestrichen.

Das Trockenfeld

Abends sind mehrere tausend Torfsoden gebacken, und nun liegt es an Wind und Sonne, wie schnell das Trocknen vor sich geht. Sind die Soden so fest geworden, dass sie ohne zu zerbrechen angefaßt werden können, werden sie mehrere Male gekehrt und dann „geringelt", d.h. zu kleinen ringförmigen Haufen aufgeschichtet. Die einzelnen Soden sind so dem Wind besser ausgesetzt, der sie im Bunde mit der Sonne trocknen soll.

Wird das Trocknen von einer Regenperiode gestört, so müssen die Torfringel so oft wieder umgebaut werden, bis sie wieder trocken sind. Ist die richtige Trockenheit des Torfes erreicht, wird er in große Haufen geworfen, die noch ein paar Tage zum Durchwehen liegen gelassen werden und dann abgefahren.

Zur Zeit des „Torfbackens", dieser Ausdruck rührt von der besonderen Bearbeitungsweise der Torferde her, ist das Bild des Moore charakterisiert durch die hochragenden Torffördermaschinen, auf - und abfahrende Torfkarren, große Torfhaufen, daneben die von den lagernden Torfsoden schwarz erscheinenden Wiesenflächen und den blanken Wasserspiegeln der Torfkuhlen, und den überall aufgestellten „Schauern", die die Torfbauern und Arbeiter gegen Sonne, Regen und Wind schützen sollen.

Die Arbeitsgänge der Torfgewinnung treten alle nebeneinander auf, denn das Moor wird immer so schnell wie möglich für eine neue „Ernte" freigemacht, so dass bei günstigem Wetter die zum trocknen vorhandene Fläche drei- bis viermal in einem Sommer voll gebacken wird."

Diese geschichtlichen Aufzeichnungen geben einen beeindruckenden Einblick in einen kleinbäuerlichen Erwerbszweig, der nur erahnen läßt, unter welch großen kör-perlichen Anstrengungen und witterungsbedingten Abhängigkeiten das nötige Brennmaterial zum Kochen und für eine warme Unterkunft hergestellt werden musste. Denn ein Haushalt verbrauchte ca. 20.000 Torfsoden im Jahr, der Preis lag 1950 bei rd. 23 DM für l.000 Soden.

Die moderne Technik veränderte auch die familiäre Haushaltsarbeit. Die alte Torfbrennstelle wich einem E-Herd, das „Brennmaterial" kam aus der Steckdose, entsprechend war es mit der „warmen Stube", die Zentralheizung mit Öl- und Gasbefeuerung sorgten dafür auf bequeme Art und Weise.

Im Süderholmer Moor wurde das Torfbacken um 1958 eingestellt. Weil auf den Bauernhöfen Unterstellplatz für moderneres landwirtschaftliches Gerät benötigt wurde, vernichtete man auch das alte nicht mehr gebrauchte Torfbackgerät. Doch dort, wo es nicht unbedingt störte, blieb es liegen und geriet in Vergessenheit.

Mars Dieter Timm, 1946 in Süderholm geboren und aufgewachsen, mußte auch als Junge im Süderholmer Moor mit beim Torfbacken helfen, er durfte nicht an die „gefährliche" Maschine oder Karre, er mußte immer nach der Schulzeit mit seinem Bruder „kehren" und „ringeln", wie auch viele andere Kinder aus Süderholm.

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