Das Süderholmer Moor

a. Geologische Entstehung

Der Ortsteil Süderholm liegt auf einem Ausläufer der hohen Geest auf der Süderhamme. Zu beiden Seiten der Süderhamme befinden sich Moore. Nach Süden dehnt sich das Südermoor bis in die Fieler Niederung aus. Das Nordermoor erstreckt sich zwischen Süderholm, Ostrohe und Süderheistedt und wird als das „Süderholmer Moor" bezeichnet. Die Größe wird mit ca. 360 ha angegeben. Der Grundwasserspiegel dieses Moores reicht bis dicht unter seine Oberfläche und man erkennt deutlich, dass die Torferde aus abgestorbenen Pflanzenteilen besteht. In ihr werden Zweige, Sträucher und Wurzeln verschiedener Bäume und Sträucher gefunden.

Die Bäume und Sträucher, von denen diese Stamm- und Wurzelreste herrühren, müs-sen einst auf festem, trockenem Boden gewachsen sein. So ergibt sich aus diesen Beobachtungen die Tatsache, dass im Gebiet des Süderholmer Moores der Wasser-spiegel einmal um die Höhe der Moormächtigkeit niedriger gewesen sein und sich an seiner Stelle ein bewaldetes Tal ausgebreitet haben muss, das durch einen Bach zum Meer hin entwässert wurde.

Als vor etwa 20.000 Jahren die Gletscher der letzten Eiszeit, die ja nur den östlichen Teil Schleswig-Holsteins bedeckt haben, schmolzen, wurde die heutige Landschaft geprägt. Im Osten hatten die Gletscher die bucklige fruchtbare Moränenlandschaft mit ihren vielen Hügeln und Seen hinterlassen.

Westlich davon ließen die abfließenden Gletscherwasser gewaltige Sanderfelder zu-rück, die von den Moränenketten einer früheren Eiszeit überragt wurden. Die jüngeren Alluvialbildungen (Ablagerungen) - Marsch, Moor und Düne - fehlten noch.

In zweifacher Hinsicht unterscheidet sich das damalige Gesicht der Landschaft von dem heutigen:

Zunächst war der Boden, der Jahrtausende unter dem Gletschereis oder viele Meter tief unter dem Gletschersand gelegen hatte ohne jeden Pflanzenwuchs. Erst unter Mitwirkung von Bodenbakterien wandelten Licht, Luft und Wasser den Boden allmäh-lich um, so dass sich eine dürftige Pflanzendecke, zunächst nur aus Moosen und Flechten bestehend, bilden konnte. Im Laufe der Zeit siedelten sich dann auch höhe-re Pflanzen an und es bildete sich in dem immer noch kalten Klima eine Tundraflora, in der die Polarweide, Zwergbirke und Kiefer die ersten Wälder bildeten. Erst als das Klima wärmer wurde, drangen nach und nach auch unsere Laubbäume in diese Gegend vor, und zwar in der Reihenfolge Hasel, Eiche, Esche, Ulme, Erle, Ahorn, Lin-de und zuletzt in der jüngeren Eiszeit auch die Buche.

Als Zweites aber war die Lage des Landes zum Meer anders, als wie es heute ist. Knochen und Zähne des Mammuts und anderer Tundrabewohner, Torfklumpen und Baumreste, die von Fischern am Grunde der Dockerbank im Wattenmeer gefunden wurden, zeigen, dass diese einst trocken war. Das Meer war unserer Heimat fern und das Land lag etwa 40 m höher über dem Meeresspiegel als heute. Das bedeutet, dass das Grundwasser viel niedriger stand und sich die Entwässerung somit viel leich-ter gestaltete, dass sich daher im Raum zwischen Süderholm, Ostrohe und Süderheistedt ein trockenes Tal befand, das mit Wald bewachsen war.

Dann kam der große Wandel: Die Litorinasenkung (Erdsenkung) setzte vor ca. 4.000 Jahren ein; das Meer drang vor. Die flachen Küstengewässer gerieten unter Wasser, bis dieses an die heutige Grenze zwischen Geest und Marsch reichte und tief in die Flussläufe eindrang. Das bedeutete ein Ansteigen des Grundwasserspiegels. Sand-bänke und Dünen hinderten das Wasser am Abfließen. Die Entwässerung der tief ge-legenen Gebiete verschlechterte sich so sehr, dass sie versumpften und bald ganz unter Wasser standen. Diese Senkung und Versumpfung des Landes dehnte sich über lange Zeit aus und sie wurde zur Todesstunde unserer damaligen riesigen Wälder. Die Pflanzen versanken im steigenden Wasser und starben ab. Die Stämme und Wurzeln jener Bäume finden wir heute am Grunde des Moores, das durch Verlandung zu hochwertigen Kulturwiesen wurde.

Wir finden im Süderholmer Moor alle Stadien der Verlandung noch heute nebeneinander vor: Als erstes Stadium bezeichnen wir die unbewachsene Kuhle. Ganz ohne Pflanzenwuchs ist diese jedoch nicht, wenn es auch nur Algen sind, die darin leben. Diese sinken nach dem Absterben zu Boden, bleiben dort unter Wasser durch Luftabschluss vor der Mineralisierung bzw. Zersetzung bewahrt und vertorfen.
Dieser Vorgang wiederholt sich von Jahr zu Jahr, so daß sich langsam aber stetig der Gewässergrund erhöht. Weil die Kuhle noch zu tief ist, um das Licht bis auf ihren Grund durchdringen zu lassen, fehlen vorläufig noch höhere Pflanzen. Denn nur im Licht kann sich das Blattgrün (Fotosynthese) bilden und nur dieses vermag die pflanzlichen Baustoffe zu erzeugen. Sobald sich der Boden genügend erhöht hat, siedeln sich auch höhere Pflanzen im Wasser an. Am tiefsten hinein wagen sich die Angehö-rigen des Seerosengürtels. Hierzu gehören: das Quirlige Tausendblatt und die Wasserpest, des gleichen einige Laichkräuter, die alle Unterwasserpflanzen sind. Nur ihre Blüten tauchen auf. Das Schimmende Laichkraut bildet gerne mit dem reizenden Froschbiss eine geschlossene Pflanzendecke. Die Seerose und die Teichrose kommen nur selten nebeneinander vor. Eine ausgesprochene unduldsame Vertreterin der Pflanzengruppe dieses Verlandungsstadiums ist die Krebsschere. Wo sie sich ansiedelt, verdrängt sie in kurzer Zeit alle anderen Pflanzen. Alle Pflanzen des Seerosengürtels bilden sehr viel Material, das im Herbst abstirbt, in die Tiefe sinkt und so den Grund des Gewässers allmählich immer höher werden lässt. Damit aber gräbt sich diese Pflanzengesellschaft selbst ihr Grab. Denn nun dringt eine andere Pflanzengruppe, die nur in flachen Gewässern gedeiht, vor und verdrängt die Angehörigen des Seerosengürtels. Es sind Mitglieder des Schilfgürtels, die sich nun vom Ufer her in den seichtenGewässern ausbreiten. Zu dieser Pflanzengesellschaft gehören: Breitblättriger und Schmalblättriger Rohrkolben, Seesimse, Rauhe Simse, Igelkolben und Schilf. Alle Mitglieder dieser Pflanzengruppe sind ausgesprochene Gesellschaftspflanzen. Sie kommen wohl alle im gleichen Gewässer vor, aber jede Art hat ihren besonderen Standort, an dem sie sehr dichte Bestände bildet.

Die Pflanzengesellschaft des Schilfgürtels bilden noch mehr Verlandungsmaterial als die des Seerosengürtels und erhöhen den Grund des Gewässers schnell. Während Simsen, Rohr- und Igelkolben noch ausgesprochene Wasserpflanzen sind, wächst das Schilf auch noch dort, wo das Gewässer schon völlig verlandet ist, solange es noch genügend Bodenfeuchtigkeit vorfindet.

Auf Simsen, Rohr- und Igelkolben folgen als Verlandungspflanzenarten der Fieberklee und das Blutauge. Diese bilden den Übergang zur nächsten Gruppe, der schon artenreicheren Gesellschaft des Staudenrieds oder Röhrichts. Einige Vertreter dieser Gruppe sind die Schwertlilie, die Wiesenraute, der Wasserschierling, der Straußblütige Weiderich, der Blutweiderich und der Kleine Baldrian.
Die Verlandung ist inzwischen schon so weit fortgeschritten, dass eine bedeutende Festigkeit des Bodens erreicht ist und damit sind die Lebensaufgaben der letzten Gruppe von Verlandungspflanzen erfüllt.

Es entsteht nun die Seggenwiese. Auf ihr treffen wir die Rispenartige Segge an, die durch ihr bultiges Auftreten ins Auge fällt, die Wiesensegge und die Steife Segge.

Aber auch Gräser finden wir in dieser Gesellschaft: So das Prächtige Wiesenreitgras, das Schmalblättrige Wollgras, das zur Zeit der Samenreife manche Moorwiese in ein wogendes weißes Meer verwandelt, vereinzelt auch das Kleine Alpenwollgras. Mit der Bildung der Seggenwiese ist die Verlandung des Gewässers abgeschlossen. Der Boden ist so fest geworden, dass die absterbenden Pflanzen nicht mehr unter Wasser geraten und unter Luftabschluss vertorfen, sondern dem Zutritt der Luft ausgesetzt bleiben und vermodern. Da die abgestorbenen Pflanzenteile von nun an mineralisieren, wird der Boden immer nährstoffreicher, so dass er allmählich auch die Lebensbedingungen der Gräser erfüllt und nach und nach eine Wandlung der Seggenwiese in eine echte Wiese zur Folge hat.

Auf der Entwicklungsstufe der Seggenwiese oder auch schon etwas früher greift nun der Mensch in den Werdegang des Moores ein, um durch Entwässerung und Düngung die Verwandlung des Moores in eine Kulturwiese zu beschleunigen. Daneben diente das Moor als Torflieferant.

b. Vergangenheit und Gegenwart einer Kulturlandschaft

c. Landschaftsschutzgebiet

d. Nutzung durch Landwirtschaft Freizeit und Angelsport

e. Pflanzen und Tiere

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